Der Internationale Turnerbund FIG ist in Trauer. Bruno Grandi, Präsident von 1997 bis 2016, verstarb am 13. September im Alter von 85 Jahren in Italien an den Folgen einer Krankheit.

Als warmherziger Mensch mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit hat er den Sport mit den Reformen geprägt, die er im Turnen durchführte, um Glaubwürdigkeit, Popularität und Universalität zu erlangen.

Seine größte Belohnung als Präsident sei es, sagte er selbst, das Turnen auf dem Olympiaprogramm zur Spitzenklasse des Sports erhoben zu haben.

“Heute trauern wir um einen warmherzigen Mann, der uns mit all seiner Leidenschaft für den Sport den Weg gezeigt hat”, sagte der aktuelle FIG-Präsident Morinari Watanabe. Mit unaufhaltsamer Energie setzte er sich für Gerechtigkeit im Sport ein und stellte immer die Sicherheit der Athleten in den Vordergrund. Seine Werte und sein Geist werden uns auch in den kommenden Jahren inspirieren.”

Als Spitzensportler, Professor, Coach, Richter und Administrator hat Bruno Grandi fast alle Facetten des Turnen erforscht. Er war erfolgreich als Mitglied der italienischen Junioren-Mannschaft und dann als Trainer der italienischen Herrenmannschaft, aber gerade im Sportmanagement hat er seinen stärksten Einfluss hinterlassen. Von 1977 bis 2000 leitete er den italienischen Turnverband und war von 1987 bis 2005 Vizepräsident des italienischen Olympischen Komitees (CONI). Von 2000 bis 2004 war er IOC-Mitglied. Der Reichtum und die Vielfalt dieser verschiedenen Erfahrungen gaben ihm eine klare Vorstellung davon, welche Reformen auf allen Ebenen durchgeführt werden müssen.

In einem Sport, der vor allem auf menschlichem Ermessen beruht, hat er sich zum Verfechter der “Sportgerechtigkeit” gemacht. “Der Professor” weiß, dass es für einen Athleten nichts Schlimmeres gibt als das Gefühl, dass ihm eine Medaille gestohlen wurde. Von der Änderung des Wettbewerbsformats bis hin zur Entwicklung eines Systems zur Bewertung der Richter war ein großer Teil seines Handelns von dem Wunsch geleitet worden, Fairness gegenüber den Athleten zu gewährleisten.

Dieser gleiche Wille zur Gerechtigkeit steht auch im Mittelpunkt der Reform des Punktesystems, die nach der Kontroverse bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 eingeleitet wurde. Der Verzicht auf die “perfekte 10” für ein Bewertungssystem, das die Schwierigkeit in einer Übung von der Qualität ihrer Ausführung trennte, löste lebhafte Reaktionen aus, zeigte aber schnell seine Vorteile, indem es den Richtern eine breitere Skala für die Bewertung gab.

Mit Blick auf den Schutz und die Gesundheit der Athleten hat er eine Mindestaltergrenze von 16 Jahren für Frauen und 18 Jahren für Männer festgelegt, um an internationalen Wettkämpfen teilnehmen zu können. Mit dieser Maßnahme sollte das intensive Training von Kindern in bestimmten Ländern bekämpft und das Verletzungsrisiko und die Auswirkungen auf die körperliche Entwicklung von Sportlern reduziert werden. In diesem Sinne plädierte er für die Gründung einer Solidaritätsstiftung, die Turnerinnen und Turner unterstützt, die schwer verletzt wurden oder Opfer einer Katastrophe wurden.

Bruno Grandi kämpfte auch für die Verbesserung des olympischen Qualifikationssystems, um den Weg für Länder zu ebnen, die nicht über den gleichen Pool an Spitzensportlern verfügen wie die traditionellen Kraftzentren der Gymnastik. Für ihn war das wertvollste Projekt die Einrichtung des Kursprogramms “Academies” zur Ausbildung von Trainern auf allen Kontinenten.

In den letzten 20 Jahren hat sich der Sport auf neue Regionen der Welt ausgedehnt. Bis zum Ende seiner Präsidentschaft ist die Zahl der FIG-Mitgliedsverbände von rund 120 auf fast 150 gestiegen. Seine letzten Olympischen Spiele, Rio 2016, spiegelten diese Vielfalt wider, mit 16 verschiedenen Nationen auf dem Podium und 18 Olympiaturnieren, die sich 11 Länder teilen.

Die wachsende Popularität des Turnens hat zu einer Steigerung der Einnahmen aus den Olympischen Spielen und eigenen Wettbewerben geführt, so dass die FIG ihre Entwicklungspolitik weltweit fortsetzen kann.

Bruno Grandi verabschiedete sich auf dem FIG-Kongress in Tokio im Oktober 2016 offiziell von der Welt der Gymnastik. Er ließ seinen Nachfolger, Morinari Watanabe, die Schlüssel zu einer soliden Föderation, im Bild des von ihm in Auftrag gegebenen Neubaus in Lausanne zurück.

Heute weht die Flagge vor dem Gebäude der FIG in Lausanne auf Halbmast.

Aus dem Englischen übersetzt. Text FIG

Melde-Rekord bei der Turn-WM

Zur 49. Turn-WM in Stuttgart haben sich 92 Nationen angemeldet. Das bedeutet einen Rekord. Noch nie zuvor haben an einer Turn-WM, die bereits zum dritten Mal nach 1989 und 2007 in der baden-württembergischen Landeshauptstadt ausgetragen wird, so viele verschiedenen internationale Starterinnen und Starter teilgenommen.

Die vorläufigen Anmeldungen für die Weltmeisterschaften 2019, die vom 4. bis 13. Oktober in der 7500 Zuschauer fassenden Hanns-Martin-Schleyer-Halle stattfinden, haben einen neuen Höchststand erreicht und den bisherigen Rekord von 86 Verbänden bei den Weltmeisterschaften 2015 in Glasgow (Großbritannien) übertroffen. Für Stuttgart 2019 haben sich damit acht Nationen mehr als in Stuttgart 2007 und fast doppelt so viele wie in Stuttgart 1989 angemeldet

Hohe Erwartungshaltung an die Organisatoren

Gründe für diese positive Entwicklung gibt es einige: Neben der Vergabe von acht Medaillen-Sets bei den Männern und sechs bei den Frauen, dienen die anstehenden WM-Wettkämpfe in Stuttgart als Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio (Japan). Zudem eilt den Organisatoren des Deutschen Turner-Bunds und des Schwäbischen Turnerbunds weltweit ein hervorragender Ruf voraus. All das führt dazu, dass die internationalen Delegationen gerne nun so zahlreich ins Schwabenland kommen.

Die ganze Welt zu Gast in Stuttgart

Insgesamt kommen rund 1500 Delegationsmitglieder, darunter knapp 600 Turnerinnen und Turner, nach Stuttgart. Alle internationalen Turn-Verbände haben die Möglichkeit, für die WM zu melden, aber nur die 24 besten Frauen- und Männer-Mannschaften der WM 2018 in Doha (Katar) können vollständige Teams mit fünf Startern melden. Dazu kommt noch ein Herrenteam aus Australien oder Neuseeland, um eine vollständige kontinentale Vertretung zu gewährleisten. Starten dürfen bei der WM Frauen, die in diesem Jahr 16 Jahre oder älter werden. Bei den Männern müssen die Turner in diesem Jahr mindestens 18 Jahre alt werden

Auslosung der Startreihenfolge am 16. Juli

Die Auslosung der Startreihenfolge in der Qualifikation (4. bis 7. Oktober) erfolgt am 16. Juli 2019 im Rathaus Stuttgart. Die vollständige Liste der Teilnehmer wird nach Ablauf der namentlichen Anmeldefrist am 4. September veröffentlicht.

Die Olympiasieger Fabian Hambüchen und Catalina Ponor (Rumänien), die beide bei der WM 2007 in Stuttgart starteten, werden in diesem Herbst als WM-Botschafter für die Weltmeisterschaften zurückkehren. Hambüchen zog sich aus dem Wettkampf zurück, nachdem er sein ultimatives Ziel erreicht hatte: bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro (Brasilien) Gold am Reck zu gewinnen, während Ponor 2017 nach dreimaliger Olympiateilnahme sich mit insgesamt fünf Olympia- und fünf WM-Medaillen von der internationalen Bühne verabschiedete.

Weiter zum Zeitplan der Turn-WM. 

Bei der Turn-WM Stuttgart 2019 werden vom 4. bis 13. Oktober an insgesamt zehn Veranstaltungstagen die weltbesten Turnerinnen und Turner neben den WM-Titeln, um die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 kämpfen. Ein sportliches Highlight, das zahlreiche Zuschauer in die Hanns-Martin-Schleyer-Halle zieht und medial für bundesweite Reichweite sorgt.

Es freut uns sehr, dass die Turn-WM im eigenen Land ein so großes mediales Interesse für den Turnsport mit sich bringt und uns zudem mehr Sendezeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verschafft. Wir möchten diese besondere Chance nutzen, um durch die damit verbundene öffentliche Wahrnehmung die Faszination des Turnens nachhaltig zu präsentieren.

Dr. Alfons Hölzl (Präsident Deutscher Turner-Bund)

Aufgrund der TV-Übertragungszeiten von ARD und ZDF wurde an folgenden Wettkampftagen die Veranstaltungszeit angepasst:*

  • Dienstag, 8. Oktober: Team Finale Frauen, 13 Uhr (statt 15 Uhr)
  • Mittwoch, 9. Oktober: Team Finale Männer, 12 Uhr (statt 15 Uhr)
  • Donnerstag, 10. Oktober: Finale Mehrkampf Frauen, 14.30 Uhr (statt 15 Uhr)
  • Freitag, 11. Oktober: Finale Mehrkampf Männer, 14.30 Uhr (statt 15 Uhr)
  • Samstag, 12. Oktober: Gerätefinale I, 14.30 Uhr (statt 11 Uhr)
  • Sonntag, 13. Oktober: Gerätefinale II, 11.30 Uhr (statt 11 Uhr)

*Die angegebenen Zeiten beziehen sich auf die Hallenöffnung, der Wettkampfbeginn ist in der Regel 1,5 Stunden nach Hallenöffnung. Alle angegebenen Zeiten können sich aufgrund externer Faktoren noch verändern und sind daher weiter unter Vorbehalt

Updates zum Ticketing

Für vier der zehn Veranstaltungstage gibt es nach aktuellem Stand keine Tickets mehr. Leider müssen wir momentan damit rechnen, dass aufgrund der langen Wartelisten für die beiden Gerätefinals (12. & 13. Oktober) sowie Team- & Mehrkampf- Finale der Frauen (8. & 10. Oktober) keine zusätzlichen Kontingente mehr freigeschaltet werden können. Eine finale Aussage darüber können wir aber erst treffen, wenn wir alle Optionen einer Kartenerhöhung in Betracht gezogen haben. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, den Prozess zeitnah abzuschließen und halten euch über unsere Kanläle weiterhin auf dem Laufenden. Unser Tipp: sichert euch jetzt schon Tickets für die noch zur Verfügung stehen den Veranstaltungen.

Übersicht der noch verfügbaren Veranstaltungen*

  • Freitag, 4. Oktober: Qualifikation Frauen Session I (1000 Tickets)
  • Freitag, 4. Oktober: Qualifikation Frauen Session II (nur noch einzelne Restkarten)
  • Sonntag, 6. Oktober: Qualifikation Männer Session I (600 Tickets)
  • Montag, 7. Oktober: Qualifikation Männer Session I (2000 Tickets)
  • Montag, 7. Oktober: Qualifikation Männer Session II (2000 Tickets)
  • Mittwoch, 9. Oktober: Finale Team Männer (1000 Tickets)
  • Freitag, 11. Oktober: Finale Mehrkampf Männer (nur noch einzelne Restkarten)

*Anzahl der noch verfügbaren Tickets: Stand 15. April 2019

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Am frühen Samstagmorgen deutscher Zeit entscheidet das Council des Turn-Weltverbands FIG in Melbourne, wo die Turn-WM 2019 ausgetragen wird. Neben Stuttgart ist noch Rotterdam im Rennen. 

Es sind nur noch wenige Stunden, bis das Council des Turn-Weltverbands FIG (Fédération Internationale de Gymnastique) im australischen Melbourne am frühen Samstagmorgen deutscher Zeit entscheidet, wo die Turn-WM 2019 ausgetragen wird. Nachdem Orlando (USA) und Perth (Australien) bereits im Vorfeld aus dem Wettbewerb ausgestiegen sind, sind nur noch Rotterdam (Niederlande) und Stuttgart im Rennen. 

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn, der persönlich in Melbourne die Farben der Landeshauptstadt vertreten wird, beschreibt die Chancen der deutschen Bewerbung: “Stuttgart ist eine wunderschöne Stadt mit einem sportbegeisterten und sporterfahrenen Publikum – das werden wir in die Waagschale werfen. Als weltoffener Gastgeber möchten wir 2019 die internationale Turnfamilie bei uns begrüßen. Jetzt gilt es, die Daumen für Stuttgart und die deutsche Bewerbung zu drücken. Aber das wird eine enge Entscheidung. Rotterdam und Stuttgart sind in der sportlichen Infrastruktur absolut auf Augenhöhe.“ 

Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen Turner-Bunds, betont “die europaweit einzigartige Sportinfrastruktur in Stuttgart. Als Ausrichter der Turn-WM 1989 sowie 2007 und dem jährlich stattfindenden EnBW DTB-Pokal stellen wir gemeinsam mit dem Schwäbischen Turnerbund zudem unsere gute Organisation regelmäßig unter Beweis. Wir sehen uns als verlässlicher Partner der FIG und der nationalen Mitgliedsverbände. Bedanken möchte ich mich natürlich auch bei der Landeshauptstadt Stuttgart und der Landesregierung Baden-Württemberg, ohne die diese WM-Bewerbung nicht möglich gewesen wäre.” 

Kim Bui, Athletensprecherin des DTB und Weltklasseturnerin aus Stuttgart beschwört den Geist des Stuttgarter Sport- und Turnpublikums: “Für eine so wichtige WM im Vorfeld der Olympischen Spiele in Tokio gibt es keinen besseren Austragungsort als Stuttgart. Hier finden die Turnerinnen und Turner die Bedingungen, die sie zu Höchstleistungen motivieren. Die Atmosphäre in Stuttgart ist einmalig. Das sage ich nicht nur, weil es für mich ein Heimspiel ist. Vom ersten Tag der Qualifikation bis zum letzten Gerätefinale wird es eine ausverkaufte Halle geben. Die Begeisterungsfähigkeit des Publikums ist unbeschreiblich. Genauso einmalig ist die Fairness der Zuschauer. Ich kann es aus eigener Erfahrung sagen: In Stuttgart fühlt man sich als Turner wie ein Weltstar.” 

Wolfgang Drexler, Präsident des Schwäbischen Turnerbunds, setzt große Hoffnung in die nachhaltige Wirkung einer Turn-WM im Jahr 2019 in der baden-württembergischen Landeshauptstadt: “Das sorgt für einen Ruf in die Welt hinaus, aber hat vor allen Dingen eine Wirkung nach innen. Wir wollen so viel wie möglich Turn-Talente aus dem Südwesten an die Bundesspitze bringen. Dafür sind Leuchtturmveranstaltungen wie eine Gymnastik-WM in diesem Jahr und eine hoffentlich kommenden Turn-WM 2019 eine tolle Möglichkeit. Dabei geht es aber nicht allein um den Spitzensport. Wir wollen damit immer auch eine langfristige und vor allen Dingen nachhaltige Entwicklung anstoßen. Deshalb wird es auch wieder, sollten wir die WM erhalten, ein großes Rahmenprogramm geben: zum Beispiel Camps, Aktionen in der Stadt, ein Symposium oder Kooperationen mit Schulprogrammen.” 

Die Entscheidung, ob die Landeshauptstadt nach 1989 und 2007 erneut Austragungsort für das Turnhighlight sein wird, fällt am frühen Samstagmorgen (16. Mai) deutscher Zeit das FIG-Council. Das höchste Entscheidungsgremium der FIG besteht aus 46 Personen, darunter die Vertreter des FIG-Exekutivkomitees, die Vorsitzenden der Technischen Komitees sowie Vertreter der Kontinentalunionen. Die Turn-WM 2019 gilt als Meilenstein auf dem Weg nach zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio (Japan). Bei der WM wird ein Großteil der Olympischen Startplätze vergeben.    

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